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Etwas Geschichte aus über 130 Jahren Musikverein „Harmonie“ Thalwil

Die ersten Jahre

Aus zwei Bläsertanzmusiken, die sich vereinigten, entstand im September 1884 ein Verein,„Nägelimusik“ genannt, weil ein Musikfreund namens Nägeli die musikalische Leitung innehatte. Die ersten schriftlichen Überlieferungen stammen aus dem Jahre 1888. Offensichtlich stand es damals kritisch um den Verein, denn von den sieben Gründungsmitgliedern waren nur noch vier dabei. Der Verein hat sich jedoch schnell wieder aufgefangen, denn schon im Juli 1888 fand eine Vereinsreise über Wädenswil mit anschliessender Marschmusik nach Richterswil statt. Er schien überhaupt äusserst reisefreudig gewesen zu sein, wie aus diversen Quellen zu lesen ist.

Der wirtschaftliche Aufschwung in Thalwil wirkte sich auch positiv auf die Entwicklung der Harmonie aus. Die Mitgliederzahl stieg nun ständig. Im Jahre 1896 trat der Verein dem Ostschweizer Musikverband bei und besuchte in diesem Jahr auch erstmals ein Musikfest dieses Verbandes. Dieses Fest fand in Winterthur statt und der Verein „erspielte“ sich mit „Berlin, wie es singt und lacht“ einen Lorbeerkranz. Beflügelt durch diesen Erfolg liessen die Thalwiler in der Folge keines der Ostschweizer Musikfeste aus...

Ein neues Jahrhundert

1902 wurde die bisherige Blechmusik in eine Harmoniemusik umgewandelt: es wurden eine Flöte und vier Klarinetten angeschafft. Drei Jahre später besuchte der Verein wiederum ein Musikfest, nämlich in Schaffhausen. Das Resultat (5. Rang von 7 Vereinen) lag unter den Erwartungen, und die Schuldigen waren rasch gefunden: Die Holzbläser waren noch zu unerfahren! Das erste Jahrzehnt in diesem Jahrhundert brachte einige Neuerungen mit sich: 1906 musste ein neuer Dirigent gesucht werden, 1907 wurde eine Uniform angeschafft und 1909 konnte bereits das 25-jährige Bestehen des Vereins gefeiert werden.

Die Musikerfamilie Böhm

Hans Böhm wurde 1908 nach Thalwil berufen und führte die Harmonie von Erfolg zu Erfolg. Die Heimkehr vom Eidgenössischen Musikfest in Vevey 1912 war ein Triumph für ihn. Auch als Komponist und Verleger erwarb sich Hans Böhm grosse Verdienste; heute werden seine Werke jedoch kaum mehr gespielt. Von 1912 - 1915 leitete sein Bruder Ludwig die Harmonie, kam jedoch nicht an die Fähigkeiten seines Bruders heran, so dass man versuchte, Hans Böhm wieder nach Thalwil zu holen - mit Erfolg! Nach dem überraschenden Tod von Hans Böhm im Jahr 1922 leitete sein Sohn Max, der bereits aktiv als Klarinettist im Verein mitwirkte, vorübergehend die Proben. 1923 wurde er offiziell zum Dirigenten gewählt und leitete die Harmonie bis 1938.

Die Jahre 1914 - 1945

Der erste Weltkrieg zog die Harmonie in eine ernste Krise. Da etliche Mitglieder im Aktivdienst standen, konnten keine Proben und somit auch nur wenige Auftritte stattfinden. Ohne Auftritte keine Einnahmen und so konnte das Gehalt des Dirigenten auch nicht ausbezahlt werden. Es herrschte ein unregelmässiger Probenbetrieb, der sich erst nach Kriegsende wieder normalisierte. In den zwanziger Jahren ging es mit dem Verein wieder aufwärts. Nach der erfolgreichen Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest in Zug im Jahr 1923 fand zwei Jahre später das Kantonale Musikfest in Altstetten statt: Ein sensationeller Erfolg! Rang 1 mit 102 von 110 möglichen Punkten. Die dreissiger Jahre brachten die Wirtschaftskrise mit sich, die auch im Vereinsleben spürbar wurde. Man überlegte sogar ernsthaft, ob man das 50-Jahr-Jubiläum überhaupt öffentlich feiern sollte. Das Jubiläum wurde schliesslich durchgeführt und war ein voller Erfolg - auch finanziell. 1935 nahm die Harmonie wieder an einem Eidgenössischen Musikfest, diesmal in Luzern teil - ebenfalls mit grossem Erfolg. 1939 kam der Verein wiederum in Bedrängnis, da viele Mitglieder im Aktivdienst waren.

Gian Battista Mantegazzi

Seit 1938 stand der gebürtige Tessiner Gian Battista Mantegazzi dem Verein musikalisch vor. Doch erst 1942 wurde mit ihm ein fester Vertrag abgeschlossen. Mantegazzi, noch heute ein Name in der Blasmusikszene, prägte die Geschichte der Harmonie bis zu seinem Tod 1958. Nach verhältnismässig kurzen Phasen der Herren Paolucci und Aebi als Dirigenten der Harmonie Thalwil übernahm Rudolf Gisler 1969 die musikalische Leitung des Vereins, die er bis 1987 innehatte. Konzerte, Musikfeste im grösseren, wie im kleineren Rahmen wechselten einander ab, je nach Mitgliederzahl des Vereins, die in den sechziger und siebziger Jahren stark schwankte.

Die letzten 30 Jahre bis heute

Auf Rudolf Gisler folgte André Fischer als musikalischer Leiter, der dieses Amt bis 1996 ausübte. Unter seiner Leitung erfolgte die Teilnahme am Kantonalen Musikfest in Pfäffikon ZH im Jahre 1989 und die Reise ans Eidgenössische Musikfest nach Lugano 1991. Ein Engagement führte André Fischer für ein Jahr ins Ausland, worauf ein vorübergehender Ersatz gesucht und gefunden wurde. Mit Ernst May, der 1995 für ein Jahr die Leitung der Harmonie übernahm, war nicht nur ein guter Dirigent, sondern auch gleich der Nachfolger für André Fischer ab 1997 gefunden. Seit dieser Zeit leitet Ernst May die musikalischen Geschicke der Harmonie Thalwil. Neben den schon fast traditionellen Konzertanlässen im Frühjahr und Winter reiste die Harmonie im Jahr 2002 ans Kantonale Musikfest nach Dietikon - auch hier mit grossem Erfolg: der erste Rang im Marschmusikwettbewerb! Vier Jahre später nahm der Verein am Eidgenössischen Musikfest in Luzern teil, am deutlichsten ist wohl allen die extreme Sommerhitze in Erinnerung geblieben. Im Jahr 2008 ging es über den See ans Kantonale Musikfest nach Männedorf, ebenfalls an einem brütendheissen Sommertag!

In 2017 fand eine Wachablösung statt: nach 20 Jahren unvermüdlichem und engagiertem Schaffen legte Ernst May den Dirigentenstock nieder, resp. gab diesen an Christian Bachmann weiter. Lieber Ernst, wir danken Dir von Herzen für die vergangenen zwei Dekaden und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft.